Mit 3 Jahren schon ins Kino?

Feuerwehrmann Sam

Letztens war ich auf einem Vortrag über Kinder und Medien. „Kino ist erst was ab dem Grundschulalter“ sagte die Referentin. Ok, das klingt vernünftig, dachte ich. Doch jetzt kam mir Feuerwehrmann Sam dazwischen. Der Animationsfilm lief letztes Wochenende bei uns im Kino. Tatsächlich nur letztes Wochenende samstags und sonntags. Da müssen wir rein, befand ich mütterlich großherzig, weil mein Dreijähriger zu den größten Feuerwehr-Mann-Sam-Verehrern unter der Sonne gehört. Ob das eine gute Idee war? Rückblickend muss ich sagen: leider nein.  Gefreut hat er sich natürlich, schon Tage vorher. Ins Kino gegangen sind wir mit meiner guten Freundin und meinem Patenkind, ebenfalls 3, ebenfalls Feuerwehrmann Sam-verzückt. Zuerst hat auch alles prima geklappt. Die Sitzerhöhungen für Kinder waren alle schon weg, aber da wir mangels anderer Plätze eh die zweite Reihe inklusive Genickstarre gebucht hatten, störte das nicht weiter.

Ich hatte vorher befürchtet, dass meinem Sohn der dunkle Kinosaal nicht ganz geheuer sein würde, aber nix da. Er setzte sich auf seinen Sitz, zog die Jacke aus und mampfte sein Popcorn. Dann kam die Werbung und er tutete immer wieder von links unten in mein Ohr: „Wann kommt endlich Feuerwehrmann Sam??!!!“

Dramatische Szenen im Tunnel

9 Minuten später war es dann soweit und der allzeitbereite, rothaarige Brandbekämpfer erschien auf der Leinwand. Die Jungs  schauten wie gebannt nach vorne. Es ging los mit einer aufregenden Szene, in der ein Bus über eine Klippe stürzte. Aber alles wurde gut. Sam und seine Kollegen löschten und retteten und fuhren in ihren Fahrzeugen Jupiter und Venus durch Pontypandy.

Eine Stunde sollte der Spaß dauern, was ja schon mal positiv ist. Der Film ist ab 0 Jahren freigegeben, also kann doch nichts Schlimmes passieren, oder? Anscheinend doch, denn dann kam ein Sturm auf der Leinwand auf und der Kinderfilm wurde ziemlich dramatisch. Ja, auch ich empfand es so. Fünf Kinder und eine Feuerwehrfrau waren in einem unterirdischen Tunnel eingeschlossen, der immer höher von Wasser geflutet wurde. Sie suchten dringend den Ausgang und mein Sohn rief entsetzt: „Wann ist das aus? Wann ist das aus?“ Da er jetzt sowieso aufs Klo musste, verließen wir den Kinosaal.

Die Folge: eine katastrophale Nacht

Ich fragte ihn, ob wir lieber draußen bleiben sollen. Nein, er wollte möglichst schnell wieder rein und rannte zurück zu Saal 5. Zum Glück wurden die Eingeschlossenen im Tunnel bald gerettet – natürlich durch Sam, den alten Haudegen, und alles wurde gut.

Trotzdem, dass der Film so aufregend sein würde, hatte ich vorher weder gedacht noch bedacht. Nach einer Stunde war alles vorbei und wir fuhren nach Hause. Die Jungs waren zufrieden und meinten, es hätte ihnen gut gefallen.

Aber dann kam die Nacht. Mein Dreijähriger, der sonst prima durchschläft und wenn überhaupt nur zum trinken wach wird, ist fünfmal hoch geschreckt. Schreiend und komplett irritiert. Wir konnten ihn jedes Mal beruhigen, aber für mich schien es deutlich so, dass er dabei war, die Kinobilder zu verarbeiten. Für ein Kleinkind war das alles zu viel. Eine Stunde im großen, dunklen Kinosaal, die riesigen Bilder, die dramatische Handlung. In dieser unruhigen Nacht habe ich mich geärgert, dass ich mit ihm ins Kino gegangen bin.

Meine Erkenntnis: Manchmal müssen schöne Erlebnisse eben noch warten

Psychischen Schaden wird er sicher nicht davon tragen, Freunde von uns waren mit ihren Dreijährigen auch schon in den Minions und in Biene Maja, aber ich fand es bei uns rückblickend einfach zu früh. Bei dem Thema kommt es wohl auf jedes einzelne Kind an und darauf, wie viel Medienkonsum es generell gewohnt ist.  Auch wenn der Kinonachmittag an sich ein schönes gemeinsames Erlebnis war: Diesmal bin ich in die überschwängliche Mütterfalle getappt. Ich habe es gut gemeint aber gleichzeitig zu viel gewollt. Weniger wäre mehr gewesen. Wie so oft im Umgang mit Kindern. Mit dem nächsten Kinobesuch warten wir, bis es die Schultüte gibt. Die darf von mir aus dann auch gerne von Feuerwehrmann Sam sein.

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14 Gedanken zu “Mit 3 Jahren schon ins Kino?

  1. Dankw für den Bericht! Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, meine Tochter war beim 1. Kinobesuch 4 Jahre alt und wir haben es bereut. Die Intensität des Kinoerlebnisses ist einfach schwerer zu verarbeiten als ein Film im Fernsehen. Mittlerweile ist meine Tochter 7, geht in die 2. Klasse. Wir waren bereits öfter im Kino, derzeit sagt sie aber selbst, dass sie nicht ins Kino will und zwar aus dem Grund: „Es ist mir zu laut.“ Da hat sie recht, leider wird auch bei Kinderfilmen im Kino der Ton in voller Lautstärke abgespielt. Also gibt es bei uns einfach öfter mal „Familienkino“: Zusammengekuschelt eine DVD zu Hause, man kann zwischendurch Pause machen, erklären, es ist nicht stockdunkel und Snacks gibt es auch. 🙂

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    • Ja, so wie ihr werden wir es auch machen. „Familienkino“ zu Hause ist wirklich kuscheliger und nicht so aufregend. Und – man spart Geld 🙂 Für ein kleines Popcorn habe ich 5 Euro bezahlt. Ist doch Wahnsinn, oder? 🙂 Viele Grüße, Christina

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  2. Solche Erlebnisse kenne ich auch. Wir hatten mal aus der Bücherhalle eine DVD ausgeliehen, die ebenfalls FSK 0 hatte. Ich dachte, es sei eine gute Idee, die Kinder einen netten Zeichentrickfilm mit dem Babysitter gucken zu lassen, damit wir ungestört ausgehen konnten. Leider stellte sich der Film als so ziemlich das Gruseligste heraus, was die beiden je gesehen hatten. Seither war ich sehr viel zurück haltender mit solchen Film-Beglückungen.
    Liebe Grüße

    Uta

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    • Ja, finde es wirklich krass, was heute alles als FSK 0 eingestuft wird. Das einzig Unbedenkliche für das Kleinkindalter ist wahrscheinlich das Sandmännchen, bei allem anderen muss man genau drauf gucken. Aber es tut gut zu hören, dass es dir schon mal genau so ergangen ist 🙂 Viele liebe Grüße, Christina

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  3. Ich finde vor allem die Disneyfilme teilweise echt bedenklich – meine Große war 8, als wir Rapunzel geschaut haben. Gleich am Anfang wird das Baby aus dem eigenen Bettchen von der bösen Hexe entführt … das war lange Zeit ein Thema, ob sie denn zu Hause sicher ist!

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  4. Kann ich so bestätigen. Wir haben zweimal etwas angemacht ohne „Vorgucken“ und es beide Male bereut. Seitdem gucken wir vor. Zum Glück guckt mein Kind auch gerne 20 mal den gleichen Film 🙂

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    • Oh ja, das kenne ich. Die DVD-Folge „Shawn das Schaaf – Bitzer hat Zahnschmerzen“ hat mein Sohn bestimmt schon 86 Mal gesehen. „Ernie und Bert im Land der Träume“ kann ich auch schon mitsprechen. Wie praktisch, das Kinder Wiederholungen lieben, dann braucht man nur 3 DVDs im Schrank 🙂

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  5. Ja aber ist denn der Kinofilm so anders wie die Serien im Fernsehen? Die scheint er ja zu gucken, denn sonst würde er Sam nicht kennen.
    Wir waren mit dem 3jährigen auch im Kino. Allerdings in Snoopy. Wir fanden es toll. Klar wir wiederholen das nicht wöchentlich oder monatlich, aber so ein paarmal im Jahr warum nicht? 🤔
    Liebste Grüße Sina
    http://CasaSelvanegra.com

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