Süd-Irland entdecken: Mit der besten Freundin auf dem Wild Atlantic Way

Jetzt beginnt ja so langsam die Reisesaison. Ich habe im vergangenen Herbst eine Reise gemacht, die mich bis heute nachhaltig beeindruckt. Meine Freundin und ich haben in Irland den südlichen Teil des Wild Atlantic Way entdeckt. Wir waren also auf der längsten Küstenstraße der Welt mit dem Mietwagen unterwegs. Dabei haben wir imposante Landschaften gesehen, Seegras direkt an der Küste verspeist und viele interessante Menschen getroffen. Ein Mädelstrip ohne Kinder – aber mit ganz vielen beeindruckenden Momenten.

Insgesamt waren wir eine Woche unterwegs und hatten (ohne An- und Abreise) fünf Tage vor Ort auf dem Wild Atlantic Way. Diese Zeit braucht man auch, kürzer lohnt es sich fast nicht. Geflogen sind wir von Frankfurt nach Dublin und von dort sind wir dann mit dem Mietwagen in Richtung Cork gestartet.

Unser erstes Ziel war das Longueville House in Mallow im County Cork. Ein beeindruckendes Herrenhaus mit weitläufigem Garten und einem wunderschönen, gemütlichem Kaminzimmer. Hier können Touristen Urlaub machen und in herrschaftlichen Zimmern übernachten. Wir haben eine Tour durch Haus und Garten bekommen und gesehen, wie viel Gemüse hier von den Besitzern selbst angebaut wird.

Dann ging es weiter in Richtung Cork. In der Stadt war ich in den 90er Jahren bereits einmal zum Schüleraustausch, Cork ist definitiv sehenswert. Wir hatten Glück, denn an diesem Wochenende fand das Jazz-Festival in der Stadt statt. Überall haben Bands gespielt, wir haben unter anderem die Booka Brass Band im Opera House gesehen. Übernachtet haben wir im Maldron Hotel.

Allzu lange haben wir an diesem Abend aber nicht gemacht, denn am nächsten Morgen sollte es ja endlich los gehen auf den Wild Atlantic Way. Dieser beginnt im Süden in dem hübschen Fischerdorf Kinsale, und genau dort wir dann auch gestartet mit unserer Tour auf der Küstenstraße.

Zunächst hat uns Stadtführer Barry Moloney durch Kinsale geführt. Er bietet fast täglich Stadtführungen für Besucher an und die Tour war wirklich interessant. Kinsale gilt als Irlands Gourmet-Hauptstadt, als „Food Capital“. Manche Gastronomie-Experten mögen das bestreiten, aber Fakt ist: In dem kleinen Ort gibt es 5000 Einwohner, fünf Kirchen, 25 Pubs und 55 Restaurants. Im Sommer verdoppelt sich die Einwohnerzahl der vielen Touristen wegen, denn dann kommen die „Blow Ins“, wie die Sommergäste hier genannt werden. Wir waren begeistert von dem malerischen Ort mit den vielen Pubs.

Nachmittags sind wir dann mit Suzanne Burns auf eine Food Tour durch den Ort gegangen und haben auf diese Weise verschiedene Restaurants in Kinsale entdeckt. Für 50 Euro pro Person gibt es einen Vorspeisenteller im „Lemon Leaf“, eine appetitlich angerichtete Fish-and-Chips-Platte inklusive Chowder-Fischsuppe im Blue Haven und zum Nachtisch geht es ins Schokoladengeschäft „Coco“, wo wir Pralinen mit Ingwer, Honig und Seegras probieren durften. Alles lecker und sehr interessant. Abends waren wir im Restaurant Jim Edwards verabredet, wo es ebenfalls ein sehr gutes 3-Gänge-Menü gab. Die Kalorienzufuhr für uns war an diesem Tag also mehr als ausreichend. Eigentlich hätten wir danach erstmal fasten müssen. Wir haben uns aber dafür entschieden, das Essen erstmal wieder abzutanzen, denn in den Pubs in Kinsale wurde an diesem Abend ebenfalls Jazz gespielt. Was für ein Tag. Nachts sind wir dann nur noch ins Bett gefallen im Old Bank House, einem sehr netten Hotel direkt in Kinsale-City.

Am nächsten Morgen ging es weiter mit dem Mietwagen in Richtung Rosscarbery. Das Gute am Wild Atlantic Way ist: man braucht immer nur dem „Wiggle“ auf den Schildern zu folgen, der gezackten Linie. Wir hatten trotzdem unser Handy-Navi an, und ein paar Mal verfahren haben wir uns dennoch. Mit dem Linksverkehr hier zurechtzukommen, war anfangs wirklich ungewohnt. Kompliment an meine Freundin Alex, die das alles super gemanaged hat. Das Fahren allein ist die Reise schon wert, denn die Landschaft an der irischen Küste ist einfach bombastisch. Zerklüftete Steinklippen, blauer Himmel und immer wieder dieses satte Grün, soweit das Auge reicht. Es ist  unmöglich, bei den vielen grandiosen Anblicken während der Tour entlang des Wild Atlantic Way nicht beeindruckt zu sein.

Auch im Herbst und Winter hält der Name der grünen Insel was er verspricht, denn das Klima ist das ganze Jahr über mild. In Rosscarbery haben wir dann Landwirt Dennis O‘ Donovan  besucht. Er, seine Frau Collette und ihr Sohn Eoghen bieten mit „West Cork Farmtours“ Bauernhoftouren an, für alle Touristen die die irischen Kühe aus nächster Nähe bestaunen wollen. Milch und Käse dürfen dann natürlich auch probiert werden. Unser Urteil: Sehr lecker und Familie O’Donovan war wahnsinnig nett und freundlich zu uns. Von der irischen Herzlichkeit waren wir wirklich überwältigt.

Dennis hat uns erklärt: „Die Leute mochten schon immer die irische Küste. Aber sie wussten lange Zeit nicht, wo genau sie hinfahren sollten. Jetzt, seit es seit ein paar Jahren den Wild Atlantic Way gibt, können sie einfach den Schildern folgen. Das hat schon einen großen Schub gegeben in den vergangenen Jahren, das haben wir gemerkt.“

Wir wären gerne noch länge geblieben, aber unser nähster Termin stand fest: Eine Wandertour in Glengarriff mit Markus Bäuchle. Markus ist vor gut 20 Jahren mit seiner Familie nach Irland ausgewandert und bietet in Glengarriff erfolgreich Wandertouren für Touristen an. Alex und ich lieben wandern, deswegen hatten wir uns schon sehr auf die Tour gefreut. Und der Nachmittag mit Markus war einfach super. Er hat uns so viele spannende Sachen über Irland erzählt, aus der Perspektive eines deutschen Auswanderes war das alles natürlich doppelt interessant. Er hat uns berichetet, wie er in dem Land Fuß gefasst hat mit seiner Familie und wie er die Unterschiede Deutschland/Irland erlebt. Jedem, der mehr wissen will, lege ich seine beiden lesenswerten Bücher ans Herz: „111 Gründe, Irland zu lieben“ und „Irland: Ein Länderporträt“.

 

Auch die Wanderung war toll, die Landschaft rund um Glengariff kraterähnlich, matschig, wild – wir fühlten uns, fast wie auf einem anderen Planeten. „Das wirklich wilde Irland befindet sich abseits der öffentlichen Routen“, ist Markus Bäuchle überzeugt. Gut, wenn man dann einen kompetenten Wanderführer wie ihn dabei an. Zum Abschluss sind wir eingekehrt in Mc Carthy’s Bar im Glengariff Park Hotel. Ein würdiger Abschluss eines wunderschönen Tages.

Es hätte eigentlich kaum noch besser werden können an diesem Tag, doch dann führte uns unsere Tour für die Nacht in die Sheen Falls Lodge nach Kenmare. Schon Familie O’Donovan hatte uns von diesem Hotel erzählt, und wir waren gespannt. Was wir dann erlebten, übertraf alle unsere Erwartungen: Das Hotel ist einfach nur ein Traum. Wunderschön, sehr stilvoll eingerichtet, einfach atemberaubend.

Wir hatten das Glück, abends noch den Spa-Bereich nutzen zu können. Nach einem Absacker an der Bar ging dann ein traumhafter Irland-Tag für uns zu Ende. Die Sheen Falls Lodge ist ideal für ein romantisches Wochenende zu zweit. Wer die Gelegenheit hat, dort zu übernachten, sollte es auf jeden Fall tun. Wir beide jedenfalls schwärmen heute noch von diesem Hotel.

Am nächsten Morgen dann wieder ab in den Mietwagen und weiter auf dem Wild Atlantic Way. In Castlecove in der Nähe von Caherdaniel waren wir mit John Fitzgerald verabredet für eine „Seaweed Tour„.Wer mit John ein Stück an der Küste entlang spaziert, kommt in den Genuss, den Geschmack von grünen und schwarzen Algen und Sea-Spaghetti zu testen. Fitzgerald steckt den Irland-Besuchern tatsächlich Seegras zum Probieren in den Mund. „Bessere Vitamine und Proteine gibt es nicht“, ist der Algen-Experte überzeugt.

Er und seine Frau Kerryann kochen ganze Menüs aus Seetang und Co, welches wir nach der Tour dann auch probieren durften. Und wir waren überrascht, wie gut und frisch das alles geschmeckt hat.  Inzwischen kommen Chefköche aus dem ganzen Land die beiden besuchen, um zu lernen wie die Zubereitung von Algen funktioniert. „Vor zehn Jahren haben sie uns noch ausgelacht. Inzwischen sind die Proteine aus dem Meer wie Spirulina absoluter Trend“, sagt Fitzgerald.

Er selbst sieht es nicht ein, Paprikas aus Spanien und Garnelen aus Marokko importieren. „Die nahrhaftesten Vitamine wachsen hier in Irland direkt vor unserer Tür.“ Den Wild Atlantic Way hält er für eine gute Sache. „Auf diese Weise kommen angenehme Leute hierher, die sich für viele verschiedene Dinge interessieren.“ Für Pauschal-Touristen sei der Way dagegen nichts.

Wir fanden die Seegras-Tour sehr spannend. Doch auch dieser Irland-Tag sollte noch mehr Abenteuer für uns bereit halten. Um 13.30 Uhr stand die Seafari cruise in der Bucht von Kenmare auf unserem Programm. Ein perfekter Ausflug für Familien, hier hätte ich wirklich gerne meinen Sohn dabei gehabt, er wäre entzückt gewesen.

Seit 1993 fährt Captain Ray zwischen April und November jeden Tag Familien und Touristen mit seinem Boot aufs Wasser hinaus und berichtet dabei ausführlich von Tieren und Natur.  An Bord gibt es Kekse, Kakao und für die Erwachsenen Tee mit Schuss. 99 Personen können mit auf die Tour durch die Bucht von Kenmare. Und Robben gibt es unterwegs tatsächlich aus nächster Nähe mit dem Fernglas zu sehen.  Captain Ray allein ist schon eine Attraktion, er spricht während der Tour fast ohne Pause und unter anderem sogar auch auf Deutsch.

Angesprochen auf den Wild Atlantic Way gerät der Captain ins Schwärmen: Das Schönste in diesem Land sei die Natur, er möchte mit seinen Bootstouren die Touristen näher in Kontakt mit dem „Wildlife“ bringen. Ray erzählt: „Manchmal treffe ich US-Amerikaner, die den ganzen Wild Atlantic Way in einer Woche abfahren wollen.“ Das funktioniere natürlich nicht. In Irland gehe es vor allem um den persönlichen Kontakt. „Die Touristen sollten immer wieder anhalten, um das Land, die Natur und die Menschen zu erleben. Und nicht nur einfach durchfahren. Zum Schluss verrät er noch seinen persönlichen Geheimtipp: „So viele Irland-Touristen bereisen den Ring of Kerry. Aber in Wirklichkeit ist die Beara-Halbinsel viel schöner.“

Nach einem kleinen Abstecher in der Lorge Chocolate Factory in Bonane (wo auch Kurse fürs Pralinenherstellen angeboten werden) ging es weiter in unser Nachtquartier Lake Hotel in Killarney. Diesen bekannten irischen Ort wollten wir uns abends unbedingt noch ansehen und so machten wir noch eine kleine Tour durch die Pubs in Killarney City. In vielen wird tatsächlich Live Music gespielt, was wir super fanden. Dass die Iren gerne singen und tanzen, konnten wir hier aus nächster Nähe erleben.

Am nächsten Morgen ging es zurück in Richtung Dublin. Eine lange Rückfahrt lag vor uns. Pause gemacht haben wir in Castlelyons in der Nähe von Fermoy im County Cork. Hier haben wir das Ballyvolanehouse besucht, ein beeindruckendes, riesiges Anwesen, in dem auch Touristen übernachten können.

Hier trafen wir den Hausbesitzer und Unternehmer Justin Green. Er stellt Gin aus Milch her, gemeinsam mit seinem Business-Partner Antony Jackson. „Bertha’s Revenge“ nennt sich der „Pure Irish Milk Gin“. Übersetzt bedeutet das „Berthas Rache“. Kuh Bertha aus dem irischen Ort Sneem war mit 48 Jahren die älteste ihrer Art und hatte Zeit ihres Lebens stolze 39 Kälber zur Welt gebracht. Mit dem Namen ihres Whiskeys wollen Green und Jackson an die außergewöhnliche Kuh erinnern. Beide waren in ihrem Land die Ersten, die Gin aus Milch destillierten. „Vom Gras zum Glas“ lautet der Slogan des milden Milch-Whiskeys, der inzwischen in acht Länder exportiert wird. Wir durften das edle Destillat in einem (kleinen) Gin Tonic probieren und fanden: Sehr mild, sehr lecker, auch wenn wir sonst nicht wirklich Gin-Trinker sind. Das Anwesen von Justin Green war jedoch genau so beeindruckend. Hier lässt sich ein Urlaub der ganz besonderen Art machen.

Mit diesen Eindrücken ging es dann für uns zurück zum Flughafen Dublin und ganz früh am nächsten Morgen zurück in Richtung Köln. Wir waren begeistert, diesen wunderschönen Teil von Irland entdeckt zu dürfen. Der Wild Atlantic Way ist in jedem Fall eine Reise wert. Die Natur, die Landschaft aber vor allem auch die Menschen mit ihrer Herzlichkeit und Freundlichkeit haben uns mehr als beeindruckt. Das Land ist einfach wunderschön, und wer die Gelegenheit hat, ein Teil davon mit dem Mietwagen zu entdecken, sollte es tun. Auch im Herbst war das Klima mild und wir einfach nur begeistert von dieser spannenden Reise auf einem kleinen Teil der längsten Küstenstraße der Welt.

Ein herzliches Dankeschön geht an Irland Information Tourism Irland und Failte Ireland, die Tourismusbehörder der Republik Irland, dir mir diese Reise im Rahmen meiner Arbeit für den Kölner Stadt-Anzeiger organsiert und ermöglicht haben.

Irland, wir kommen definitiv wieder!

 

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